Rettet den Stadtwald!

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. macht richtig gute Arbeit! Ihre Mitglieder erforschen und schützen Eulen und Uhus und nehmen den Naturschutz ernst! Sie haben eine höchst informative, schlaue Webseite: Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen

Wussten Sie z. B. dass die ungewöhnliche Leistungsfähigkeit des Eulengehörs mit modernsten Messgeräten belegt werden konnte: Es fängt feinste Geräusche auf - wie etwa Mäusetrippeln unter einer 20 Zentimeter tiefen Schneedecke - und ist in der Lage, die Beute Millimeter genau zu lokalisieren.

Kein Wunder natürlich, dass diese Experten viel größere Abstände zu den Brutplätzen und Habitaten der Eulen und anderer Waldvögel fordern. Die Gesellschaft spricht sich generell gegen Windkraft im Wald aus und hat dafür gute Argumente: 10 Gründe warum der Wald vor Windenergieanlagen geschützt werden sollte

Die Seite ist ein wahrer Schatz an Wissenswertem. Nebenbei ist es gelungen in ihrer Heimat Euskirchen alle Naturschutzorganisationen zusammen zu bringen. Dort spricht sich auch der BUND in einer gemeinsamen Erklärung auch mit dem NABU gegen Windkraft im Wald aus. Lesen Sie die Stellungnahme hier!


WAHNSINN Windkraft Wehneberg:



So sieht sie aus, die Windkraft im Wald. Vorsicht! Das ist nichts für schwache Nerven:


Neodym – ein problematisches Element für die Windkraft


Neodym (Nomenklaturempfehlung war zeitweise Neodymium) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Nd und der Ordnungszahl 60. Im Periodensystem steht es in der Gruppe der Lanthanoide und zählt damit auch zu den Metallen der seltenen Erden.
Neodym kommt in natürlicher Form nur in chemischen Verbindungen vergesellschaftet mit anderen Lanthanoiden, vorzugsweise Mineralien, vor:
Monazit (Ce, La, Th, Nd, Y)PO4
Bastnäsit ((Ce,La,Th,Nd,Y)(CO3)F)
Mischmetall enthält bis zu 18 % Neodym.
Der wichtigste Lieferant mit 97 % der Weltproduktion ist China. Das führt dort zu erheblichen Umweltproblemen. Bei der Trennung des Neodyms vom geförderten Gestein entstehen giftige Abfallprodukte, außerdem wird radioaktives Uran und Thorium beim Abbauprozess freigesetzt. Diese Stoffe gelangen zumindest teilweise ins Grundwasser, kontaminieren so Fauna und Flora erheblich und werden für den Menschen als gesundheitsschädlich eingestuft. Weitere wirtschaftlich verwertbare Vorkommen finden sich in Australien.
Die chinesische Regierung hat angekündigt, schärfere Umweltauflagen einzuführen und stärker gegen illegale Minen vorzugehen. Anfang Juni 2011 scheint es zu einer ersten Umsetzung dieser Absicht gekommen zu sein. Laut Berichten der Financial Times erhält der staatseigene Produzent (Baotou Steel Rare Earth) das Monopol für den Abbau und die Aufbereitung der Seltenen Erden. 35 lizenzierte Betriebe werden geschlossen und entschädigt, neun weitere nicht lizenzierte Betriebe sollen geschlossen und nicht entschädigt werden. In den U.S.A. wird derzeit die Mountain Pass Mine in Kalifornien und in Australien die Mount Weld Mine reaktiviert. Beiden Minen werden vom Öko-Institut e. V. akzeptable Umweltschutzsysteme bescheinigt. Allerdings gibt es auch Vorhaben zum kombinierten Abbau Seltener Erden in Grönland, bei denen die giftige Rückstände in Seen verklappt werden sollen.
(Quelle: Wikipedia)


Ein Fall für Greenpeace: Windräder produzieren Atommüll
Von Dr. Ludger Weß (Quelle: www.achgut.com)
Die neueste Generation der Windkraftanlagen hat kein Getriebe mehr, sondern einen Direktantrieb. Das, so schwärmt Prof. Dr.-Ing. Friedrich Klinger von der Forschungsgruppe Windenergie, ist „die Zukunft der Windkraft“. Auf den ersten Blick haben die Anlagen mit Direktantrieb nur Vorteile: 60% der Ausfälle deutscher Windkraftanlagen werden durch defekte Getriebe, Wellen, Kupplungen und den Generator verursacht.  Direktgetriebene Windkraftanlagen haben diese Teile nicht. Sie laufen dadurch störungsfreier, benötigen auch keinen Getriebeölwechsel, ihre Energieausbeute ist höher, und sie eignen sich daher wunderbar für schlecht zugängliche Offshore-Anlagen - alles bestens also?

 
Nicht ganz, denn die Vereinfachung zwingt zu anderen Generatoren. In konventionellen Windrädern mit Getriebe wird der Strom durch einen Elektromagneten erzeugt, dessen Drehgeschwindigkeit dank des Getriebes sehr hoch ist. Ohne Getriebe laufen die Generatoren dagegen mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Rotoren. Unter diesen Bedingungen benötigt man Ringgeneratoren. Auch hier kann man Elektromagnete einsetzen, handelt sich damit aber wieder Nachteile in Form von Größe und Gewicht sowie von Verschleißteilen (Schleifringe) ein. Viele Hersteller setzen daher statt eines Elektromagneten Permanentmagnete ein, die ein so starkes Magnetfeld erzeugen, dass eine nur 1,5 cm dicke Permanentmagnetscheibe eine 10-15 cm lange Kupferspule ersetzen kann.

 
Einer Studie des Marktforschungsunternehmens trend:research zufolge hatten 2009 40% der neu installierten Anlagen ein Getriebe, aber weil die große Mehrheit der Hersteller an getriebelosen Anlagenkonzepten arbeitet, geht die Studie für Deutschland von einem drastischen Rückgang der Anlagen mit Getriebe aus. 2020 werden ca. 55% aller dann vorhandene Anlagen einen Direktantrieb haben. Bis auf einen Hersteller - Enercon - setzen derzeit alle auf Direktantriebe mit Permanentmagneten.
Um solche starken Permanentmagneten zu erzeugen, sind Metalle der so genannten Seltenen Erden nötig, vor allem Neodym, das zum Aufbau von starken Neodym-Eisen-Bor-Magneten genutzt wird. Als Faustregel gilt: pro Megawatt Leistung benötigt ein Direktantrieb ca. 200 kg Neodym. Für eine 5MW-Anlage, wie sie etwa in im alpha ventus Windpark vor Borkum eingesetzt wird, wird also eine Tonne Neodym benötigt. “Neodym aber ist ohne große Mengen radioaktiven Abfalls nicht zu haben, denn es kommt nur in chemischen Verbindungen vergesellschaftet mit anderen sog. Lanthanoiden vor - und mit radioaktiven Elementen,  z. B. Thorium oder Uran.”
Hier fangen die Probleme an: bei der Abtrennung vom Gestein entstehen giftige Abfallprodukte; bei der Aufkonzentrierung mittels Flotation entstehen Flotationsberge in Absinkbecken, von denen wiederum Schwermetalle, Giftstoffe und radioaktive Stoffe wie Uran und Thorium in gelöster Form ins Grundwasser oder als Stäube in die Luft gelangen können. Dammbrüche dieser Becken hätten katastrophale Folgen für die Umgebung. Auch aus dem Abraum können Schwermetalle sowie radioaktive Begleitstoffe ins Grundwasser gelangen.
Da das radioaktive Thorium derzeit nicht verwendet wird, häuft es sich rund um die chinesischen Minen, aus denen derzeit 97% der Weltproduktion an Neodym stammt, in riesigen Mengen unter freiem Himmel an: allein rund um den „See der seltenen Erden“, einem riesigen Auffangbecken für die wässrigen Abfallprodukte des Abbaus nahe der mongolischen Stadt Baotou, lagern bereits jetzt ca. 90.000 Tonnen Thorium. Chinesische Blogger berichten, dass Seltene Erden nicht nur in den bekannten Minen um Bayan Obo und Baotou, sondern in großem Stil und illegal in etwa 4.000 Abbaustätten rund um Ganzhou der Provinz Jiangxi abgebaut wird. Aus Bayan Obu stammt etwa die Hälfte des in China produzierten Neodyms. Hinzu kommt, dass die Arbeitsbedingungen in den Minen größtenteils katastrophal, d.h. gefährlich und extrem gesundheitsschädigend sind.
China ist Lieferant für ca. 97% des weltweit verbrauchten Neodyms, von dem bereits 2006 etwa 55% für den Bau von Windrädern und zu einem geringeren Teil für Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge verbraucht wurden. Neodym findet sich darüber hinaus in Kleinelektronik (Festplatten, Lautsprecher) und medizinischen Geräten (Kernspintomographen). Die Weltproduktion belief sich 2006 auf 137.000 Tonnen, aber China reduzierte die Verfügbarkeit auf dem Markt, so dass 2008 nur ca. 17.000 Tonnen verfügbar waren. Der Jahresbedarf wird für 2014 auf 200.000 Tonnen geschätzt. Die Preise entwickelten sich entsprechend, sie stiegen von $42 pro kg im April 2010 zu $334 pro kg im Juli 2011.
Um sich von der chinesischen Monopolstellung unabhängig zu machen, wird derzeit in Australien ebenso wie in Kalifornien und Grönland darüber nachgedacht, vor Jahren still gelegte Minen in Gebieten mit Vorkommen von Seltenen Erden wieder zu eröffnen. Auch wenn Arbeitsschutz- und Umweltstandards in diesen Minen besser sind als in China, regt sich in einigen Ländern bereits jetzt Widerstand von Umweltgruppen gegen die Wiederaufnahme der Förderung. Murphy&Spitz Research, das Unternehmen auf Nachhaltigkeit analysiert und bewertet, kommt Mitte 2011 zu dem Urteil, dass es derzeit auf dem Weltmarkt kein nachhaltig gewonnenes und aufbereitetes Neodym am Markt gibt.
Von Greenpeace, das ja auch und gerne Ökostrom aus Windkraftanlagen verkauft, hört man in dieser Sache nichts. Während sonst auch noch die kleinste Lötstelle eines neuen Smartphones von den Regenbogenkriegern auf nachhaltige Produktion und Ökostandards geprüft wird und Hersteller, die als Sünder überführt werden, gnadenlos an den Pranger kommen, drückt man bei tausenden von Tonnen Neodym beide Augen zu - ist ja für eine gute Sache. Da beschweigt man lieber, dass der saubere Windstrom eine schmutzige Seite hat und versichert treuherzig:  „Wir liefern Strom, der aus Ökokraftwerken kommt – garantiert ohne Kohle und Atom“. Bislang hat sich kein Greenpeace-Aktivist an einem Neodym-haltigen Windrad angekettet. Kommentare auf dem Greenpeace-Blog, die sich auf Neodym-Verwendung in Windkraftanlagen beziehen, bleiben unbeantwortet. Im Greenpeace-Magazin, dass sich in Heft 2/2011 im Rahmen der Serie „Wieso, weshalb, warum?“ mit „Seltenen Erden“ beschäftigt, wird auf einer Infografik unter dem schönen Titel „Seltene Erden - knapp und unverzichtbar“ zwar angerissen, dass bei deren Abbau „radioaktive Rückstände“ anfallen. Aber, so lautet die frohe Kunde: „China gibt an, den Export aus Umweltschutzgründen zu begrenzen.“

Link ARD und NDR zum Fernsehbeitrag Panorama vom 28.04.2011, 21.45 Uhr Das schmutzige Geheimnis sauberer Windräder


Link Clean energy: Umweltschäden durch Neodym in der Windkraft



" Wir müssen die Wachstumsideologie überwinden!"

Die Energiewende ist für Prof. Niko Paech ein verlogenes Konstrukt, das der Öffentlickeit suggeriert, regenerative Energien könnten den Ersatz für radikale Energieeinsparungen sein. "Postwachstumsökonomie" nennt sich der von ihm propagierte Ansatz.


Interview: Klaus Schaake


KS: Herr Paech, in einem taz-Interview sagen Sie: „Selbst erneuerbare Energien sind längst an der Schwelle, wo nicht mehr klar ist, ob sie Teil der Lösung oder Teil des Problems sind.“
Wenn auch nur die Grünen ihn von der Terminologie so aufgenommen haben: Die Erneuerbaren scheinen doch Teil eines partei-, experten- wie milieuübergreifenden Konsenses für eine Art „Green New Deal“, also für eine ökologische Wende des Kapitalismus zu sein. Was macht Sie hinsichtlich der Erneuerbaren und der Energiewende so skeptisch?
NP: Bei der Energiewende handelt es sich um ein sehr verlogenes Konstrukt. Während die Erneuerbaren ausgebaut werden, baut man gleichzeitig viele große Kohlekraftwerke. Die Schöpfer dieser Energiewende trauen offenbar ihrer eigenen Idee nicht über den Weg. Sonst hätten sie in den Nuller-Jahren nicht billigend in Kauf genommen, dass die Gesamtkapazität der stillzulegenden Atomkraftwerke über die Hintertür größtenteils durch neue Braun- und Steinkohlekraftwerke ersetzt wird. Obendrein wird der Öffentlichkeit suggeriert, dass Erneuerbare ein Ersatz für radikale Energieeinsparung sein können.
KS: Was folgern Sie daraus?
NP: Ein Grundproblem der momentan propagierten Energiewende ist, dass die hierzu verfügbaren Innovationen den alten, ökologisch ruinösen Strukturen einfach hinzu addiert werden, was dann fatalerweise den Energieoutput steigert.
KS: Mit welchem Resultat?
NP: Das Überangebot an Strom sorgte beispielsweise am 2. Weihnachtsfeiertag 2009 dafür, dass der Preis für eine Kilowattstunde an der Strombörse in Leipzig vorübergehend auf unter Null sank. Das ist der umweltpolitische Super-GAU.

„Energiewende ist Amoklauf gegen die Natur“
KS: Warum? In den Meldungen der Erneuerbaren-Lobby wird das als Erfolg und als Beweis dafür gepriesen, dass die Erneuerbaren in der Lage sind, uns sicher zu versorgen und wir getrost die alten CO2-Schleudern respektive Atommeiler abschalten können.
NP: Kein Mensch geht sparsam mit einer Ressource um, die zum Nulltarif verschleudert wird. Auch erneuerbare Energieträger sind nicht ohne ökologische Schäden zu haben, sondern bilden gemeinsam mit der Agrarindustrie den Sargnagel für die letzten noch integren Landschaften. Unter dem Banner der Energiewende findet in Europa ein Amoklauf gegen die letzten Reste an Natur statt. Und warum? Weil wir zu vornehm sind, über Einsparung zu reden.
KS: Sie dramatisieren!
NP: Was wir beispielsweise in Niedersachsen in der Bio-Energie erleben, ist die „Vermaisung“ ganzer Naturräume, zu denen sich noch die dazugehörigen Biogas-Anlagen gesellen – das ist eine ökologische Katastrophe ersten Ranges. Was die bisherigen Industrialisierungswellen und Okkupationen des Naturraums durch Verkehr, Wohnflächen, Gewerbegebiete etc. noch nicht zu zerstören vermochten, wird jetzt durch die so genannte Energiewende nachgeholt. Zunehmend gigantische Windkraft- und Photovoltaikfreiflächenanlagen sind nichts anderes als eine industrielle Nachverdichtung der Landschaft.
KS: Die wie aussieht?
NP: Immer mehr Landwirte, die vormals Getreide anbauten, stellten mittlerweile auf sogenannten „Energie-Mais“ um. Das ökologisch ruinöse Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) belohnt den Ausbau der Energieproduktion anstelle der viel dringender notwendigen Einsparung. Die Naturschutzverbände - jedenfalls die, die nicht mit den Investoren zusammenarbeiten – laufen Sturm dagegen, weil es sich dabei um eine desaströse Vorgehensweise handelt, die der Abschaffung der Natur gleichkommt. Zusehends spitzt sich die Verwendungskonkurrenz in der Flächenbewirtschaftung zu. Wir sind seit 2011 nicht mehr in der Lage, den niedersächsischen Getreideverbrauch auf Basis eigener Flächen in diesem Bundesland zu befriedigen.
KS: Gibt es aus Ihrer Perspektive noch weitere Kritikpunkte das EEG betreffend?
NP: Die Anreizstruktur des EEG schafft mächtige Investoren, um deren Ansiedlung marode Kommunen buhlen. In Oldenburg hat sich beispielsweise eine Ratsmehrheit dafür gebildet, einige 150 Meter hohe Windkraftanlagen in ein Landschaftsschutzgebiet zu bauen, obwohl Gutachten von Biologen vor den Schäden und Risiken warnen. Absehbar ist außerdem schon jetzt, dass Photovoltaik-Freiflächenanlagen wie Pilze aus dem Boden schießen.
„Verlagerung eines ökologischen Schadens“
KS: Das EEG fördert PV-Freiflächenanlagen nicht mehr so großzügig.
NP: Richtig. Aber für Investoren bleibt es trotzdem leichter, Landschaften zu zerstören, als sich mit den vielen Hausdächer-Eigentümern ins Benehmen zu setzen, um dort ökologisch verträglich Anlagen aufzubauen.
KS: Ihr Resümee?
NP: Die vermeintliche ökologische Innovation bewirkt in Wahrheit nichts anderes, als die Verlagerung eines ökologischen Schadens von einer System-Dimension in eine andere.
KS: Das müssen Sie erklären!
NP: Die Ökosphäre umfasst unterschiedliche Aggregatzustände. Im Aggregatzustand "gasförmig" sind CO2-Emissionen relevant, die zum Klimawandel beitragen, weil sie den Treibhauseffekt verstärken. Entlastet man nun das Aggregat „gasförmig“ um CO2 und belastet dafür aber ein anderes, ökologisch nicht minder relevantes Aggregat, etwa die Meere, Flächen oder letzten Landschaften, findet keine Problemlösung, sondern eine Problemverlagerung statt. Umweltschutz, der nicht auf reiner Verbrauchsreduktion beruht, endet so gut wie immer als räumlicher oder systemischer Verlagerungseffekt.
KS: Sie heben mit Ihrer Kritik auch auf einen technischen Machbarkeitswahn ab, wenn ich Sie richtig verstehe.
NP: Seit fast 40 Jahren wollen wir das Bruttoinlandsprodukt weiter wachsen lassen, aber die Umwelt nicht belasten. Dies hieß zuerst qualitatives Wachstum, dann war von nachhaltigem oder decarbonisiertem Wachstum die Rede, später dann von Green Economy und heute sagen manche Green New Deal dazu - alles alter Wein in neuen Schläuchen. Mit technologischen Tricks soll dafür gesorgt werden, dass nicht trotz, sondern wegen dieses Wachstums die Ökosphäre entlastet wird.
KS: Die ökologische Krise also als rein technische Herausforderung?
NP: Ja. Dem geneigten Publikum, vor dessen Zorn sich alle Politiker und medial aktiven Wissenschaftler fürchten, soll nicht zugemutet werden, weniger zu konsumieren, zu fliegen, Auto zu fahren oder zu telekommunizieren. Sie sollen brav in der Komfortzone bleiben und sich nicht Hände bei der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung schmutzig machen. Den Job sollen gefälligst technische Innovationen und eine hinreichend kluge Politik erledigen.
„Marketing mit gut verkäuflichen Schlagworten“
KS: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass?
NP: Inzwischen drohen wir sogar, unter einer Lawine technischer Neuerungen zu versinken. Aber auch Innovationen, denen nachgesagt wird, sie trügen das Potenzial einer Ökologisierung des wirtschaftlichen Wachstums in sich, haben die Situation nicht verbessert, sondern sie eher krass verschlechtert. Green Economy, nachhaltiges Wachstum, Green New Deal - politisch sind das gut verkäufliche Schlagworte. Aber die Wahrheit hinter der Behauptung, dass Deutschland während der letzten 20 Jahre im Klimaschutz Erfolge gehabt haben soll, ist sehr schlicht: Wir verlagern die schmutzigen, insbesondere die energieintensiven Anteile unserer Produktion schlicht nach Indien und China.
KS: Stichwort „gut verkäuflich“: Was hat Niko Paech im Angebot, um aus dieser Nummer einigermaßen heil rauszukommen?
NP: Mein Vorschlag heißt „Postwachstumsökonomie“.
KS: Was soll uns das sagen?
NP: Salopp und wenig wissenschaftlich gesprochen ist es die harte Tour, also Nachhaltigkeit für Fortgeschrittene. Zuerst müssen wir die Wachstumsideologie überwinden. In Europa steht jede Form der Nachhaltigkeit, insbesondere des Klimaschutzes immer unter dem Vorbehalt, dass daraus weiteres wirtschaftliches Wachstum resultiert. Bevor wir diese Bequemlichkeitsvollkasko nicht auf den Schrottplatz der Geschichte befördern, wird es so etwas wie Ökologie, Nachhaltigkeit oder Klimaschutz nicht geben, sondern nur verschlimmbesserndes Herumpfuschen.
„Strohfeuer-Effekt durch Kapazitätsaufbau“
KS: deENet, das nordhessische Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien, führt in seiner Studie „Nordhessen 2020“ an, es können in unserer Region in den kommenden acht Jahren bis zu 20.000 Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien entstehen. Ebenso verficht deENet die so genannten 100-Prozent-Erneuerbare-Energie-Regionen. Auch alles nur Verschlimmbesserung?
NP: Diese 100 Prozent-Regionen, wie sie von deENet auf sinnvolle und gelingende Weise unterstützt werden, sind alternativlos. Sich aber einzureden, man könne damit dieselben Arbeitsplätze schaffen, wie in der Industrie, ist absoluter Quatsch.
KS: Warum? Die Region liegt bereits jetzt im sehr soliden fünfstelligen Bereich.
NP: Hier liegt eine „optische Täuschung“ vor: Verwechselt wird der konjunkturelle Strohfeuereffekt des Kapazitätsaufbaus mit jener langfristigen Wertschöpfung, die dann noch möglich ist, wenn die Kapazitäten fertig gestellt sind. Selbst wenn wir bereit sind, die Nordsee mit Off-Shore-Windkraftanlagen und die letzten Landschaften mit PV, Windkraft, Bio-Energie, Pumpspeicherwerken und Überland-Stromnetzen vollzustopfen, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem nur noch der Strom verkauft werden kann.
KS: Also doch nichts mit Arbeitsplätzen?
NP: Die Anlagen müssen instand gehalten werden, dann und wann gibt es Repowering. Ob man das hören will oder nicht: Arbeitsplätze schaffen in erster Linie die schmutzigen Industrien. Wir haben im Jahr 2010 allein aus Kolumbien acht Millionen Tonnen Kohle nach Deutschland importiert. Ständig fördern, plündern, transportieren und transformieren – das bringt Umsätze und Jobs.
KS: Also doch weiter wie bisher?
NP: Nein, unter keinen Umständen! Mir geht es darum, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen.
KS: Die da lautet?
NP: Die vermeintlichen grünen Technologien sind erstens nicht so umweltfreundlich, wie behauptet wird, und schaffen zweitens – absehen von kurzfristigen Effekten – nicht so viele Arbeitsplätze wie das derzeitige System. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich befürworte einen ökologisch verantwortbaren Ausbau der Erneuerbaren und freue mich, wenn Handwerker, Installateure, Planer, Projektierer und Produzenten wenigstens für eine Übergangszeit volle Auftragsbücher haben.
„Klimaschutz oder Wachstum – zusammen unmöglich“
KS: Und dann...
NP: ...gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder, wir expandieren immer ruinöser in die Fläche und zerstören noch mehr Natur, um den Strohfeuer-Effekt etwas länger auszukosten. Oder wir sind ehrlich und bekennen: Nach einer Übergangsphase wird die Wertschöpfung sinken und unser aktuelles Wohlstandmodell ist folglich nicht mehr stabilisierbar.
KS: Und das nennt sich dann Postwachstumsökonomie, um auf Ihren Begriff zurückzukommen?
NP: In unserer Situation hilft nur der Rückbau des Industrie- und Verkehrssystems und eine Umverteilung der volkswirtschaftlich dann noch notwendigen Arbeit. Um das sozialverträglich zu gestalten, ist eine duale Daseinsform vonnöten: Zur einen Hälfte sind wir weiterhin in der arbeitsteiligen, aber prägnant reduzierten Industrie tätig. Die andere Hälfte unserer Kreativität nutzen wir, um ohne Geld und herkömmliche Märkte Konzepte der kreativen Subsistenz zu praktizieren. Wir produzieren teilweise selbst, zudem reparieren und pflegen wir die Industriegüter, damit sie doppelt so lange verwendet werden können. Folglich kommen wir mit der halben Industrieproduktion aus. Auch die gemeinsame Nutzung von Gegenständen kann den Bedarf senken.
KS: Wir sollen also Deindustrialisieren?
NP: Die bisherige Industrie, bezogen auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze, dadurch aufrecht zu erhalten, dass wir sie durch ein anderes technologisches Paradigma ersetzen, ist keine Option.
KS: Dürfen wir das jetzt als die berühmte Dialektik begreifen?
NP: Bei aller Alternativlosigkeit eines vorsichtigen Ausbaus der regenerativen Energien setzt deren ökologische Entlastungswirkung voraus, dass die Wirtschaft eben nicht wächst. Also, Klimaschutz oder Wachstum, beides ist nicht zu haben.
KS: Und wie kommen wir dann mit der zweifellos notwendigen Energiewende voran?
NP: Wenn ein Versiegelungs- und Landschaftsmoratorium als Rahmenbedingung verankert würde, kann der Ausbau der regenerativen Energien weitgehend ohne neue Umweltschäden von statten gehen.
KS: Wo bauen wir die Anlagen dann?
NP: Ein Rückbau der Industrie kann Flächen freisetzen: Industriebrachen, Hausdächer, stillgelegte Parkplätze, Autobahnen und Flughäfen – also Areale, die der Ökosphäre ohnehin schon unwiederbringlich entrissen wurden, bieten PV- und Windkraftanlagen Raum, ohne die Natur zu schädigen. Das verliefe sogar automatisch dezentral, weil die Verkehrsanlagen immer so geplant wurden, dass es niemand weit zur nächsten Autobahn oder zum nächsten Flughafen hat.
„Sich vom Wohlstandsschrott befreien“
KS: Rückbau, Deindustrialisierung, Postwachstumsökonomie- höre ich da den schrillen Sound der Öko-Diktatur?
NP: Was wir jetzt erleben, ist eine Wachstums-Diktatur, eine Konsum-Diktatur, eine Industrie-Diktatur und eine Globalisierungs-Diktatur. Wenn wir uns von jenem Überfluss befreien, der nur durch Plünderung zu haben ist und uns so geldabhängig macht, dass wir in ständiger Angst vor Krisen leben, werden wir ökonomisch souverän. Wenn ich für Geld in der spezialisierten Wirtschaft arbeite und die anderen 20 Stunden nutze, um eigenständig oder gemeinsam mit anderen Selbstversorgungsleistungen erbringe, habe ich ein breiteres Spektrum an Selbstverwirklichungsoptionen, die mir Authentizität verleihen. Beherrschbar sind vor allem Menschen, die konsumabhängig sind.
KS: „Less is more“, die alte Devise also?
NP: Ein Teil der Industrie kann in optimierter Form bestehen bleiben, damit wir nicht ins Mittelalter zurückkehren. Hinzu kommen ergänzende Aktivitäten in Form von Eigenproduktion, Nutzungsdauerverlängerung und Gemeinschaftsnutzung. Dies setzt eine Entrümpelung der Gesellschaft voraus, aber wer dies als Verzicht bezeichnet, übersieht, dass moderne Gesellschaften nicht nur ökonomische und ökologische, sondern längst auch psychologische Krisen verzeichnen. Nichts ist in den letzten anderthalb Dekaden so sprunghaft angestiegen, wie der Umsatz an Antidepressiva. Das Burn-out-Phänomen greift um sich - einfach weil die Vielfalt an käuflichen Dingen, die uns glücklich machen sollen, längst zum Stressfaktor geworden sind.
KS: Was tun?
NP: Es geht darum, sich von dem Wohlstandsschrott zu befreien, der sowieso nur unser Leben verstopft und uns die wichtigste Ressource raubt, die wir zum Glücklichsein brauchen: Genussvolle Hingabe, Entspannung, Konzentration - kurz Zeit.

Niko Paech
ist außerplanmäßiger Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt (PUM) an der Universität Oldenburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Umweltökonomik, der Ökologischen Ökonomie und der Nachhaltigkeitsforschung.
Er hat das wissenschaftliche Zentrum CENTOS (Oldenburg Center for Sustainability Economics and Management) mit gegründet und ist gemeinsam mit Gerhard Oesten Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ), Mitglied von ZENARIO (Zentrum für nachhaltige Raumentwicklung Oldenburg) und des Netzwerks KoBE e.V. (Kompetenzzentrum Bauen und Energie).
Paech ist außerdem Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von attac-Deutschland und publiziert Artikel in der deutschen Ausgabe der Monatszeitung Le Monde diplomatique

 

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Stadt-Zeit, KASSEL MAGAZIN

Das Interview erschien in der Ausgabe Nr. 51, August/September 2012.


 Positionspapier Wald und Windkraft der Schutzgemeinschaft  Deutscher Wald, Landesverband Bayern:

 1. Hintergrund:

Deutschland als Windenergiestandort

Die Nutzung der Windenergie nahm seit Anfang der 1990er Jahr in Deutschland einen enormen Aufschwung. Heute zählt unser Land zu den weltweit führenden Stromproduzenten aus Windenergie. Die Änderung des Baugesetzbuches im Jahr 1996, nach dem Windkraftanlagen (WKA) im Außenbereich privilegiert sind, hat diese rasante Entwicklung stark beflügelt. Ebenso das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz), das eine langfristige Preisgarantie für den Strom aus Windenergie gewährleistet.

Der Schwerpunkt dieser Entwicklung lag naturgemäß in den küstennäheren Bundesländern im windreichen Norden Deutschlands. Aber auch in Bayern hat die technische Weiterentwicklung der WKA, insbesondere die Steigerung der Nabenhöhen auf deutlich über 100 m, dazu geführt, dass Windströmungen in höheren Luftschichten und sogar über Wäldern „rentabel“ genutzt werden können, weil negative Auswirkungen durch Luftverwirbelungen nach heutiger Kenntnis weitgehend auszuschließen sind.


Rotore über den Wipfeln – passt das?

Viele Waldbesitzer sehen sich mit Forderungen nach Anlagenstandorten im Wald konfrontiert oder versuchen auf diese Weise neue Geschäftsfelder für ihren Forstbetrieb zu erschließen.

Dabei werden die Argumente für und gegen Windkraftanlagen häufig kontrovers diskutiert, wobei sowohl ökonomische, ökologische und touristisch-soziale Gesichtspunkte ins Feld geführt werden. In den Bundesländern wird die Anlage von Windkraftanlagen im Wald sehr unterschiedlich gesehen. So sind in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein Waldstandorte gänzlich ausgeschlossen.
 
Die SDW möchte in dieser zuweilen emotional belasteten Situation ihre generelle Haltung gegenüber der Errichtung von Windkraftanlagen im Wald darlegen und Hinweise und Empfehlungen geben, die die oft schwierige Entscheidungsfindung erleichtern können.

 

2. Grundsatz

Die SDW hält die Nutzung der Windenergie als eine Form der erneuerbaren Energien für einen wichtigen Beitrag zur Einsparung von CO2- Emissionen. Gleichwohl sieht der Verband die Standorte für Windkraftanlagen im wesentlichen außerhalb des Waldes, nicht zuletzt auch deshalb, weil der nachhaltig genutzte Wald selbst eine CO2-Senke darstellt und weil er gleichzeitig eine Vielzahl von landeskulturellen und sozialen (Erholungsvorsorge) Aufgaben zu erfüllen hat.

Wenn Windkraftanlagen im Wald dennoch nicht ganz ausgeschlossen werden können, ist ein transparenter Abwägungsprozess unverzichtbar.

 

3. Der Abwägungsprozess, begriffliche und sachliche Abgrenzungen

Für den Abwägungsprozess sind folgende Interessen zu berücksichtigen:

Öffentliche Belange:
• Interesse der Öffentlichkeit an einer umweltschonenden Energieversorgung.
• Interesse der Öffentlichkeit am Schutz der Natur, insbesondere an der Erhaltung des Waldes und Sicherung seiner Funktionen
• Erhaltung des Landschaftsbildes und -charakters einschließlich der Eignung für den Fremdenverkehr
• Erhaltung störungsarmer, ruhiger Landschaftsbereiche.
 
Private Belange:
• Schutz privater Rechtsgüter (des Eigentums, bestehender Nutzungen).
• Interesse des Anlagenbetreibers an einer „rentablen“ Windenergienutzung (jedoch ohne Anspruch auf optimale Betreibung)
• Interesse der Grundeigentümer und Grundstücksnachbarn an der Verfolgung seiner / ihrer wirtschaflicher insbesondere forstlicher Ziele und bestehender Nutzungen sowie am Erhalt der Grundstückswerte.

Dieser Abwägungsprozess kann nur mit Hilfe des Planungsrechts (Regional-/Landesplanung; Bauleitplanung) als transparente Standortanalyse gestaltet werden und ist Grundlage verbindlicher Planfestsetzungen.

Ziel muss es sein, „WKA auf landschaftlich verträgliche Standorte mit ausreichendem Windangebot zu konzentrieren, um andernorts unverbaute Landschaften zu erhalten“. (Deutscher Rat für Landespflege 2006).

Eine reine „Verhinderungsplanung“ ist hierbei unzulässig bzw. nicht gesetzeskonform.

Die Errichtung jeder WKA ist ein Eingriff in Natur und Landschaft. Gemäß Art. 6 BayNatSchG gilt der Grundsatz der Eingriffsminimierung. Bei der Errichtung einer WKA im Wald sind darüber hinaus für Fundamente, Kranstellflächen, Wege und Kabeltrassen Rodungen erforderlich, die der Erlaubnis bedürfen (Art. 9 BayWaldG).

Im Einzelnen sind im Abwägungsprozess folgende begriffliche und sachliche Abgrenzungen und Vorgaben zu beachten:

Windpark
Als Windpark (Windfarm) bezeichnet man 3 oder mehr räumlich und sachlich miteinander in Verbund stehende WKA.

Raumbedeutsame WKA
Als „raumbedeutsam“ gelten folgende Windenergieanlagen: Windparks; Einzelanlagen mit über 100 m Gesamthöhe) oder in besonders exponierter Lage (§ 14 Luftverkehrsgesetz). Nach § 35 Abs. 3 Satz 2 BauGB dürfen raumbedeutsame Windenergieanlagen den Zielen der Raumordnung nicht widersprechen. Für sie ist gemäß § 1 Satz 1 RaumordnungsVO i.V. mit § 15 Raumordnungsgesetz ein Raumordnungsverfahren durchzuführen. Neuere WKA im Wald fallen meist in diese Kategorie.

Vorranggebiete für WKA (Regionalplanung)
In Vorranggebieten für WKA haben raumbedeutsame Anlagen Vorrang vor anderen Nutzungen. Die Windhöffigkeit (nutzbare Windenergie) ist hier i.d.R. hoch.

Vorbehaltsgebiete für WKA (Regionalplanung)
In Vorbehaltsgebieten haben raumbedeutsame Anlagen besonderes Gewicht gegenüber anderen Nutzungen. Die Windhöffigkeit ist hier i.d.R. mittel.

Positiv geeignete Standorte für WKA, potenzielle Konzentrationsstandorte (Flächennutzungsplanung)
Die Ausweisung solcher Standorte ist i.d.R. Voraussetzung dafür, auch Ausschluß-Standorte im FNP ausweisen zu dürfen. Die Windhöffigkeit sollte hier hoch sein. Konflikte mit öffentlichen oder privaten Belangen dürfen nicht schwerwiegend sein oder können durch geeignete Auflagen abgemildert werden.

Ungeeignete Standorte für WKA, Ausschluß-Standorte (Flächennutzungsplanung)
Ausschluß-Standorte sind dann gegeben, wenn die Windhöffigkeit nicht ausreichend ist oder schwerwiegende Interessenkonflikte mit öffentlichen oder privaten Belangen vorliegen.
 

4. Empfehlungen und Hinweise zur Beurteilung von Windkraftanlagen

Trotz der grundsätzlich generellen Position der SDW, dass Windkraftanlagen grundsätzlich und vorrangig außerhalb des Waldes errichtet werden sollen, zur Ausweisung von WKA im Wald kann es Fälle geben, die zu einem anderen Abwägungsergebnis führen. Für diese Situation können die nachstehenden Empfehlungen hilfreich sein.

Ausschluß-Standorte im Wald

Aufgrund bestehender Gesetze und Verordnungen bzw. wegen ihrer besonderen Bedeutung für das Gemeinwohl scheiden folgende Standorte grundsätzlich aus:
• Nationalparke
• Naturschutzgebiete mit Umkreis von 200 m
• Naturdenkmale und 13d-Flächen nach Bay-NatSchG
• Kultur- und Bodendenkmale
• Fassungsbereiche in Wasserschutzgebieten
• Lebensräume störungsempfindlicher Tierarten und deren Umkreis von 1.000 m (z.B. Auerwild, Rotmilan, Fischadler, Schwarzstorch)
• bevorzugte Aussichtspunkte, weithin sichtbare geomorphologische Besonderheiten
• Wald mit besonderer Bedeutung für das Landschaftsbild nach Waldfunktionsplanung (WFP)
• Bodenschutzwald (WFP)
• Wald in Siedlungsnähe (bis 500 m)

Mögliche Standorte für einzelne WKA
Denkbare Standorte in Wäldern können nach einem intensiven Abwägungsprozess unter Berücksichtigung ökologischer, raumordnerischer, technischer und sozialer (Erholungsvorsorge) Belange sein:
• in (ehemaligen) Truppenübungsplätzen
• im unmittelbaren Umfeld bestehender Industrie- und Gewerbegebiete,
• in der Nähe von Infrastruktureinrichtungen
• in Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für WKA.


Mögliche Standorte für raumbedeutsame WKA und Windparke
Solche Standorte bedürfen einer hohen Windhöffigkeit und erfordern wegen ihrer Raumbedeut-samkeit eines Raumordnungsverfahrens oder einer Verträglichkeitsprüfung.
In der Regel kommen dafür nur Waldstandorte in Truppenübungsplätzen oder auf abgeschlossenen Deponien, im unmittelbarem Umfeld bestehender Industrie- oder großer Gewerbegebiete, entlang von Infrastruktureinrichtungen (wie Autobahnen, Verkehrskreuzen, Energietrassen oder Kraftwerken) sowie in Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für WKA in Frage.
 

5. Fazit

Die SDW bekennt sich klar zu einer wesentlich verstärkten Anwendung regenerativer Energie. Dabei darf nicht übersehen werden, dass der Wald hierzu selbst einen wichtigen Beitrag leistet. Wegen seiner CO2-neutralen Produktion des Rohstoffes Holz und der Möglichkeit dieses Treibhausgas bei einer dauerhaften Holzverwendung langfristig zu speichern, sowie wegen der Vielzahl der von ihm ausgehenden Wohlfahrtswirkungen darf der Wald nicht zur bequemen Flächenreserve für Windkraftanlagen werden. Dies ist bei der Abwägung vor allem dann zu berücksichtigen, wenn die Voraussetzungen für eine verträgliche Lösung nur unzureichend erfüllt sind oder wenn Zweifel an einer effektiven Nutzung der Anlage bestehen.
Stand 2011
  

NABU Bad Hersfeld       (Zur Info: www.nabu-bad-hersfeld.de)

Sorgen um Glaubwürdigkeit der Umweltbewegung
Das größte Kapital der Umwelt- und Naturschutzverbände als sogenannte Träger öffentlicher Belange ist oder war stets deren Unabhängigkeit gegenüber wirtschaftlichen Interessen.
Als Nordhessen erfahren wir schmerzlich, dass sich Verbandsteile einer rigoros umweltfressenden „Stromwende“ verschrieben haben. Die Interessen von Mensch und Natur sind dabei disponibel geworden, weil sie gegenüber bestimmten Industriebranchen als nachrangig angesehen werden. Ein bedachtsamer Umgang mit der Umwelt wird oft nicht mehr als erstrebenswert angesehen. Ist nicht z.B. der heimische BUND bereits in die Rolle der Interessenlobbyisten für ABO-Wind in Bad Hersfeld geschlüpft? Herr Bennedikt nimmt an, dass man die Naturverträglichkeit „überprüfen“ wolle, während die Bauabsichten klar und deutlich voranschreiten und laut Stadt vorab (!) eine vertragliche Vereinbarung abgeschlossen wurde.
Ist für intakte Kulturlandschaft grundsätzlich nur noch Platz in wenigen Reservaten, wo dann von BUND, Bundesverband Windenergie und GRÜNE trotzdem versucht wird, auch dort Windfelder zu errichten?
Von Windkraftfirmen bestellte und entlohnte Biologen folgen den Auftraggebern und bewerten ökologisch wertvolle Lebensräume z.B. des Rotmilans bewusst schlecht, so dass sie für WEA auf alle Fälle zur Verfügung stehen. Diesem Treiben sehen z.T. auch Umweltverbände auf deren oberen Etagen zu.
Waren dem BUND z.B. der Neubau der A 44 (Klagen!) oder der Stromtrasse Wahle-Mecklar noch starke Anliegen, so ist man dort jetzt für Windräder auch in Flora-Fauna-Habitaten, Zugvogelkorridoren, Wäldern, Hot Spots der Artenvielfalt und herrlichen Urlaubs- und in der Nähe von sensiblen Wohngebieten.
Pro WEA rd. 1 ha C02 mindernder Wald und weitere große Flächen werden für Zufahrtswege, Niederspannungs- und Mittelspannungsleitungen und andere Infrastruktur verbraten, bzw. neu erschlossen, während technisch vorbelastete Flächen für eine sozial- und ökologisch verträgliche Energiewende nicht herangezogen werden. Flächenfraß und Umweltzerstörung werden aus ideologischen Gründen akzeptiert und damit Glaubwürdigkeit geopfert. Zukünftige Interventionen in unserer überalterten Region blockiert.
Die Verstromung von importierter Steinkohle (aus Kolumbien z.B.) und heimischer Braunkohle findet auch und gerade durch diese Energiewende in alten Kraftwerken verstärkt statt. Effiziente Gaskraftwerke (sh. Mecklar) werden gerade aktuell nicht gebaut, weil das Geld der Steuerzahler und Stromkunden in wind- und sonnenschwachen Regionen verpulvert wird.
Lebt der BUND in der irrigen ideologisch beeinflussten Vorstellungswelt, Wîndkraft könne auch bei nächtlicher Wîndstille etwas bewegen?
BUND Vertreter Bennedikt vergisst dabei auch den Hinweis, dass Stromverbrauch nur rd. 18 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht! Was machen wir mit dem restlichen Energiebedarf?
Windfelder in Waldhessen können nur in wenigen, gut untersuchten Konzentrationsgebieten auf interkommunaler Ebene ab 6,0 m/sek Windgeschwindigkeit akzeptiert werden.
36 Windfelder in unserem Landkreis wären aus ökonomischer und ökologischer Sicht selbstmörderisch.
Das Hersfelder Beispiel offenbart erhebliche Planungsdefizite gegenüber wichtigen öffentlichen Belangen, die die Stärken der Kreisstadt ausmachen und auch vom BUND und Anderen neuerdings nicht mehr gesehen oder verniedlicht werden.
Der Rettungsschirm als Druckmittel zur Ausweisung von Windflächen gegenüber den Kommunen ist im Übrigen politisch unannehmbar und gegen den Geist einer seriösen Regionalplanung. 
NABU Bad Hersfeld, Der Vorstand und besorgte Bürger