Rettet den Stadtwald!

Aktuell: Der BUND empfiehlt die Beobachtung von Weinbergschnecken. Achtung! Sie stehen streng unter Naturschutz! Allerdings wohl nicht auf dem Wehneberg. Kommen Sie in den Wald, bevor die Tiere unter Betonmischern zermalmt werden. BUND-Tipp: Die Weinbergschnecke 


Quelle: http://www.sdw-rems-murr.de/waldp%C3%A4dagogik/wald-knigge/

Wald-Knigge

 

Der Wald für alle -

Lebensraum, Produktionsbetrieb und Freizeitpark



Unser Wald erfüllt zahlreiche Funktionen. Er ist eine Öko-Fabrik, die nachhaltig Holz für viele Verwendungen produziert. Er ist Lebensraum und Rückzugsgebiet für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Er schützt den Boden und dient als Wasserfilter und -speicher ...


... und zusätzlich dient er der Erholung der Bevölkerung - egal ob stiller Wanderer, genießender Radfahrer, temperamentvoller Mountain-Biker, begeisterter Pilzsammler, passionierter Reiter, neugieriger Geo-Cache-Fan, verantwortungsvoller Jäger oder, oder, oder ...

 

Deshalb ist Rücksichtnahme aller Waldnutzer unverzichtbar!

Voraussetzung dafür ist Wissen über und Verständnis für Wald und Natur.

 Denn nicht alle Ansprüche an den Wald sind konfliktfrei miteinander "unter einen Hut" zu bringen.

 

Die Gesetzgebung in Deutschland sieht ein grundsätzlich freies Betretensrecht des Waldes vor. Dies gilt unabhängig vom Eigentümer der Fläche. Dennoch ist stets zu bedenken, dass man sich auf fremdem Eigentum bewegt.

 

Verantwortungsvolle Menschen nutzen den Wald so, dass

  • Wildtiere nicht gestört werden,
  • Pflanzen nicht zerstört werden,
  • dem Waldbesitzer keine Schäden entstehen,
  • andere Waldbesucher in ihrem Naturgenuß nicht beeinträchtigt werden.

 

Ein paar nützliche Tipps dazu

 
Zwei fröhliche Wald-Spaziergänger
Waldwandern
  • Spazierengehen / Wandern

Spaziergänger oder Wanderer dürfen sich in Deutschland im Rahmen des Betretensrechts frei im Wald, auch abseits der Wege, bewegen (Achtung: Im Ausland gelten oft völlig andere Regeln)!

 

Allerdings dürfen eingezäunte (z.B. Forstkultur) nicht betreten werden. Ebenso dürfen aus Sicherheitsgründen gesperrte Waldflächen (Holzfällarbeiten, Treibjagd) keinesfalls betreten werden. Hier besteht akute Lebensgefahr, auch wenn dies für den Waldbesucher nicht immer sofort erkennbar ist.

Drei Mountainbiker im Wald unterwegs
Mountainbiking
  • Radfahren / Mountainbiking

Radfahren ist auf allen befestigten Fahrwegen über zwei Meter Breite im Wald gestattet!

Abseits befestigter Wege ist das Fahren nur auf besonders als Mountainbike-Strecken ausgewiesenen Strecken erlaubt. Querfeldein-Fahren im Wald ist zurecht verboten!

Diese Beschränkung ist sinnvoll, um Pflanzen zu schonen und Tiere nicht zu beunruhigen. Auch können durch Mountainbike-Spuren in hängigem Gelände bei starken Regenfällen zu Erosionsrinnen und damit zu Schäden für den Waldbesitzer führen.

Geo-Caching: Wald und Technik
GPS-Empfänger (Quelle: www.geocaching.de)
  • Geo-Caching

Geo-Caching ist eine Trendsportart, die ein sehr intensives Walderlebnis mit den Werkzeugen der Computer-Generation verbindet. Kleine "Caches", also Schatzkästchen, werden im Wald versteckt und mit GPS-orientierten Handgeräten geortet und gesucht. Hier läßt das freie Betretensrecht des Waldes einen weiten Spielraum. Allerdings sollte dieses Hobby unbedingt auf die Tagesstunden beschränkt werden, da in der Dämmerung und nachts das Wild gestört wird und die Jagdausübung stark beeinträchtigt wird.

Zwei Reiter in gemütlichem Gang auf einem Waldweg
Reiten im Wald
  • Reiten

Für das Reiten im Walde gilt ähnliches wie für das Radfahren: Es ist auf befestigten Fahrwegen gestattet. Ausserhalb ist Reiten nur auf speziell ausgewiesenen Reitwegen zulässig!

Verantwortungsvolle Reiter sitzen nicht "auf dem hohen Roß", sondern respektieren alle "kleineren" Waldbesucher.

Spaziergängerin mit Hund
  • Hunde

Hunde dürfen sich auf Waldwegen in der Regel ohne Leine bewegen. Ausnahmen sind Wald- oder Naturschutzgebiete oder tollwutgefährdete Gebiete, in denen Leinenzwang für Hunde besteht. Sie sind in der Regel durch Schilder eindeutig gekennzeichnet.

 

Jeder Hund ist von Natur aus Jäger! Auch der liebste Hund kann sich nicht immer gegen seine Ur-Instinkte wehren und jagt dann hinter dem Wild her. Halten Sie ihn deshalb unter Kontrolle und stellen Sie sicher, dass er möglilchst auf dem Weg bleibt, damit das Wild ungestört bleibt. Ganz besonders wichtig ist das Anleinen zur Zeit der Geburt der Jungen, v.a. im Frühjahr, wenn beispielsweise junge Rehkitze durch die Mutter hilf- und schutzlos in Wiesen oder im Wald abgelegt werden und auch sonst friedlichen Hunde ihrem Instinkt folgen und diese Wildtiere in Panik versetzen oder verletzen können.

 

Generelle Verhaltens-Tipps im Wald

Wald-Schranke
  • Fahren mit Kraftfahrzeugen

Das Fahren mit Kraftfahrzeugen (ausgenommen Krankenfahrstühle und elektrisch betriebene Fahrräder) ist per Gesetz im Wald grundsätzlich verboten - auch wenn kein Verbotsschild am Waldeingang steht!

 

Ausnahmen gelten für Eigentümer von am Weg gelegenen Waldgrundstücken und Fahrer mit schriftlicher Sondergenehmigung des Forstamtes (z.B. Jagdausübungsberechtigte, Holzkäufer, Brennholz-Selbstwerber).

 

Parken Sie bitte nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen, da Ihr Fahrzeug sonst zum Hindernis für Rettungswagen und Holztransporter werden könnte.

 

Zigarettenkippe im Wald
Keinen Abfall in den Wald
  • Selbstverständlichkeiten -
    doch leider nicht für jede/n!

Eigentlich selbstverständlich sollte es sein, im Wald keinen Lärm zu machen und dieses naturnahe Ökosystem nicht zu verschmutzen: Also keine Abfälle in den Wald - auch wenn mancher Raucher die Zigarettenkippe immer noch nicht als Abfall anerkennen will oder andere das Papiertaschentuch oder die Bananenschale achtlos wegwerfen. Dass dies bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeiten sind, versteht sich von selbst.

Verhalten Sie sich im Wald so, wie Sie es von anderen Mitmenschen ihn Ihrem Haus oder Garten erwarten würden. Ist doch einfach, oder?

 

Waldsperrung wegen Holzfällung
Fällarbeiten = Lebensgefahr
  • Waldsperrung = Lebensgefahr!

Gesperrte Waldflächen (Holzfällarbeiten, Treibjagd) dürfen nicht betreten werden, da sich der Waldbesucher dadurch in Lebensgefahr begibt!

 

Nicht immer ist es für Waldbesucher, etwa Spaziergänger, Jogger oder Mountainbiker einsichtig, warum der Durchgang verboten sein soll - vor allem wenn gerade keine Motorsäge zu hören ist, oder es gerade Sonntag ist.

In Gebieten, in denen gerade Holz gefällt wird, können aber jederzeit Gefahrenquellen vorhanden sein (z.B. hängende Bäume), die den Durchgang zum lebensgefährlichen "Russischen Roulett" machen.

Außerdem behindern Sie die Waldarbeiter, die für Ihre gefährliche Arbeit ihre volle Konzentration brauchen! Sonst wird es für sie ebenfalls lebensgefährlich.

Deshalb: Beachten Sie bitte unbedingt dieses Verbot und nehmen Sie unbedingt einen Umweg in Kauf.

Andernfalls machen Sie sich strafbar und haften für entstehende Schäden.

 

Rehkitz im hohen Gras
Im Gras von der Ricke abgelegtes Rehkitz
  • Wildtiere nicht anfassen

Alle Wildtiere meiden den Menschen. Auch wenn ein Wildtier besonders zutraulich sein sollte, sollten Sie es nicht berühren. Solch artfremdes Verhalten kann auf die Tollwut-Krankheit hinweisen.

 

Jungtiere, zum Beispiel Rehkitze, werden von der Mutter von Natur aus in einem Versteck, etwa im hohen Gras, abgelegt und scheinbar verlassen. Berühren Sie dieses Tier nicht, da das Muttertier den Menschengeruch wittert und das Jungtier dann möglicherweise nicht mehr annimmt und versorgt

 

Im Winter muß der Stoffwechsel der Wildtiere "auf Sparflamme" laufen. Das im Herbst angefressene "Fett-Polster" ist der Vorrat, den die Tiere zur Verfügung haben. Durch Querfeldeinwanderungen im Winter werden die Tiere aufgeschreckt und verbrauchen viel zuviel Reservestoffe.

 

Deshalb: Bleiben Sie bitte besonders während der Zeit der Aufzucht der Jungen und im Winter auf den Wegen!

 

Jagdkanzel im Fokus
Jagdkanzel
  • Jagdliche Einrichtungen

Auch wenn es noch so sehr reizt, den Ausblick von einer Jagdkanzel zu riskieren: Das Betreten jagdlicher Einrichtungen ist - alleine schon aus Sicherheitsgründen - nicht erlaubt.

 

Ausnahmen sind besonders für Besucher eingerichtet und gekennzeichnete Aussichts-Plattformen.

Vom Sturm gebrochene Fichte
Vom Sturm gebrochene Fichte
  • Unwetter

Bei Sturm oder Gewitter sollten Sie den Wald so rasch als möglich verlassen! Die alte Bauernregel bei Gewitter "Eichen sollst Du weichen - Buchen sollst Du suchen" können sie getrost vergessen: Alle Bäume sind durch ihre Höhe potenzielle Blitzableiter, unter denen es gefährlich werden kann.

 

Bei Wind oder Sturm besteht nicht nur die Gefahr, dass Bäume vom Sturm umgeblasen werden; ein abbrechender toter Ast genügt völlig, um schwerste Verletzungen oder Tod zu verursachen. Es ist ein folgenschwerer Irrtum, darauf zu vertrauen, "man könne ja noch weglaufen, wenn man es krachen hört".

 

Feuer im Wald
Waldbrand - eine unterschätzte Gefahr
  • Feuer

Waldbrandgefahr wird besonders in der warmen Jahreszeit oder in Trockenperioden unterschätzt.

 

Grundsätzlich darf man nur auf den ausgewiesenen Grillstellen im Wald Feuer machen!

Ausnahmen gibt es für Waldbesitzer, um Reisig (etwa mit Borkenkäfer-Befall) zu verbrennen. Dies müssen Waldbesitzer aber vorab bei den Behörden anmelden und strenge Sicherheitsvorschriften beachten.

 

In der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober ist das Rauchen im Wald verboten, da schon ein kleiner Funke oder eine weggeworfene Zigarettenkippe in der trockenen Streu einen Waldbrand verursachen kann.

 

  • Fuchsbandwurm

Waldfrüchte und Pflanzen - vor allem in Bodennähe - nicht roh verzehren. Sie könnten sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren, der sogar nach Jahrzehnten zum lebensbedrohenden Krankheitsausbruch führen kann.

 

 

 

Allergie?
Allergie?
  • Allergien

Falls Sie gegen Insektenstiche allergisch sind, denken Sie an die kleine Notfallapotheke und nehmen Sie ihre Medikamente mit.

 

  Gemeiner Holzbock (Zecke)

Zecke
  • Zecken

Zecken sind natürliche Waldbewohner, die sich vor allem im Gras aufhalten und hier auf ihre Beute, Warmblüter, also auch Menschen, warten. Da sie durch ihren Stich Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen können, sind Vorsichtsmaßnahmen angeraten. Damit diese Krankheiten nicht schwer wiegend werden, ist es notwendig, Zeckenbisse ernst zu nehmen.

 

Gegen FSME kann man sich wirkungsvoll impfen lassen!

Borrelliose läßt sich durch den Arzt bei frühzeitigem Erkennen mit Antibiotika wirkungsvoll behandeln.

 

Bei einem Zeckenbiss sollte Folgendes beachtet werden:

  • Zecke möglichst rasch mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte, notfalls einer Pinzette, mit einer Drehbewegung entfernen, da die Krankheitserreger mit dem Speichel der Zecke übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt mit der Dauer eines Zeckenbisses. Es spielt  keine Rolle, ob Sie die Zecke rechts- oder linksherum herausdrehen.
  • Bissstelle markieren und die nächsten Tage genau beobachten!
  • Bei starker Rötung der Bissstelle (ab etwa dem Umfang eines Zehnpfennigstückes), sich verändernder Rötung (Wanderröte) oder Auftreten von grippeähnlichen Symptomen sollte unverzüglich der Arzt aufgesucht werden!

 

Liebe Waldfreunde,

Hase mit Schild: Genießen Sie unseren Wald!

auch wenn es im Wald vieles zu beachten gilt, soll der "Waldknigge" keinesfalls eine Abschreckung sein, sich im Wald zu erholen.

 

Jeder Waldaufenthalt ist ein immer wieder überraschend neuer, intensiver und schöner Kontakt zur Natur mit manchen unvergesslichen Erlebnissen. Balsam für Körper und Seele!

Quelle: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Kreisverbad Rems-Murr